Die Jahreslosungen der letzten Jahre begeistern mich. Ein einziger Bibelvers – und doch sprechen sie oft erstaunlich präzise in das Weltgeschehen und in unsere persönlichen Situationen hinein.
2026 lautet die Jahreslosung: „Siehe, ich mache alles neu.“ (Offb.21,5)
Während unsere Welt ächzt unter Krieg, Terror und Gewalt.
Während Menschen unter Ungerechtigkeit leiden, Frauen entwürdigt werden, Kinder übersehen werden.
Während viele nach Arbeit, Sinn und Wert schreien –
ruft der Schöpfer von Himmel und Erde:
Siehe. Schau hin. Konzentriere dich. Ich mache alles neu.
„Siehe“ ist ein biblischer Weckruf. Ein Wort, das sagt: Achtung. Das, was jetzt kommt, ist entscheidend.
So war es schon vor 2000 Jahren:
„Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären …“ (Mt 1,23)
Damals bedeutete dieses „Siehe“: Der Messias kommt – als Baby.
Und mit ihm beginnt der größte Change-Prozess der Weltgeschichte.
Ein Prozess, der vollendet wird, wenn Himmel und Erde neu sind.
Ich liebe es, dass am Anfang eines neuen Jahres nicht meine guten Vorsätze stehen,
sondern Gottes Einladung:
Sieh genau hin, was ich tun werde.
Gott macht alles neu
Gott hat noch nie repariert.
Weder am Anfang der Schöpfung noch am Ende der Geschichte.
Lange Zeit fanden auch wir das japanische Kintsugi-Bild schön:
Zerbrochene Keramik wird mit Gold gekittet – die Brüche bleiben sichtbar und werden veredelt.
Ein starkes Bild. Aber theologisch zu klein.
Denn Gott ist kein Restaurator. Auch keiner mit Gold.
Was zerbrochen, verletzt und zerstört ist, stellt er wieder her.
Als wir Christus begegnet sind und begonnen haben mit und durch ihn zu leben bekamen wir kein Upgrade unseres alten Lebens.
Keine goldenen Schweißnähte für ein kaputtes Inneres.
„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen.“ (2. Kor 5,17)
Gott will nicht die Bruchstellen deines Lebens verschönern.
Er will Neues schaffen – von neuer Qualität, nie dagewesen.
Und was heißt „neu“ ganz konkret?
Vielleicht bist du eher vorsichtig ins neue Jahr gestartet.
Müde. Frustriert. Enttäuscht, weil sich im Job, in der Selbstständigkeit oder privat Dinge nicht so entwickelt haben, wie du gehofft hattest.
Vielleicht kennst du diese „Fresser“:
Zeitfresser. Energiefresser. Beziehungsfresser. Finanzfresser.
Ja – die Jahreslosung weist auf die Neuschöpfung am Ende der Zeit hin.
Aber dieses Neu beginnt nicht erst in der Ewigkeit.
Weil du innerlich neu bist, darfst du Neues erwarten:
- in alten Mustern
- in verkrusteten Gedanken
- in Erfahrungen, die dich bis heute prägen
Suche nicht nach alten Worst-Case-Szenarien.
Heb den Blick. Halte Ausschau nach dem Neuen.
„Wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere Mensch Tag für Tag erneuert.“ (2. Kor 4,16)
Paulus schreibt diese Worte nicht aus einem Wellness-Kontext heraus.
Er schreibt aus einem Leben voller Überforderung, Erschöpfung, Widerstand, Verantwortung und Einsamkeit
Das ist die nüchterne Beschreibung vieler Führungskräfte, Selbständigen, Pastoren, Mütter und Väter, Angestellten, … heute.
Paulus beschönigt nichts. Er sagt nicht: Das hört auf.
Er sagt: Der äußere Mensch verfällt. Punkt.
Und dann dieses kleine, kraftvolle Wort: doch.
Außen: Abnahme.
Innen: Erneuerung.
Nicht parallel – sondern entgegengesetzt.
Unsere Kultur sagt: Wenn außen nichts mehr geht, ist innen auch leer.
Paulus sagt: Gerade dann kann innen Neues entstehen.







