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Leben – aber wie?

„Muss nur noch kurz die Welt retten!“, sang Tim Bendzko 2011. Sechs Jahre später singt er: „Ich bin doch keine Maschine, ich bin ein Mensch aus Fleisch und Blut! Und ich will leben bis zum letzten Atemzug!“ – Das klingt für mich irgendwie logisch: Leben bis zum letzten Atemzug, macht doch jeder. Die Frage ist nur, wie? Bewusst oder Bewusstlos? Überfordert, unterfordert – herausgefordert?

Ja, mit solchen Songs gewinnen Männer nicht nur Song Contests, sondern auch Frauenherzen. Der Mann, unser Held, der nur kurz die Welt rettet, uns auf Händen trägt, den Kindern ein liebevoller Vater ist, am Herd steht und ein Sternegericht nach dem anderen kreiert und ... Aus manchen Träumen wacht man schneller auf als einem lieb ist. Denn wie singt unser Held:

„Muss nur noch kurz die Welt retten. Danach flieg' ich zu dir. Noch 148 Mails checken. Wer weiß, was mir dann noch passiert, denn es passiert so viel.“

Nur kurz, nur mal schnell, oder „gschwind“, wie der Schwabe sagt. Nur noch die Mails. Nur noch dieses Gespräch. Nur noch dieser eine Mensch, der meine Hilfe braucht. Es ist alles wichtig und dringend und dringend wichtig. Und weil die Welt nie völlig gerettet ist, warten wir noch heute und warten und warten auf unseren Helden.

Meine Verantwortung

„Wenn dein Mann abends immer später nach Hause kommt, weil der Schreibtisch überquillt, dann stimmt das nicht ganz. Er kommt nicht nach Hause, weil er nicht nach Hause kommen will!“ – Dieser Satz, den mir vor über zehn Jahren eine Mentorin sagte, löste bei mir eine Schockwelle aus. Mein Mann gehört ebenfalls zur Spezies „148-Mail-Checker“, und manchmal dachte ich: „Ach, wären es doch nur 148!“

So mancher Abend geriet zum Ehe-Desaster: Während er die Welt rettete, wartete ich mit unseren kleinen Kindern auf meinen Held. Wenn er dann nach Hause kam, überfordert vom „Weltretten“, war meine Stimmung am Boden, überfordert vom Warten. Ich konnte ihm aber nicht einfach den Schwarzen Peter zuschieben. Denn ich war ja kein „Wartezimmer-Opfer“, um auf das erlösende „Der Nächste bitte!“ zu lauschen. Es lag in meiner Verantwortung, einem „Welten-Retter“ ein Zuhause zu bieten, in das er eintauchen und wo er sich wohlfühlen konnte.

Auch konnte ich meine miese Stimmung nicht einfach den Kindern zur Last legen, die mal wieder quengelig an meinem Hosenbein hingen. Trotz Kleinkindphase hatte ich die Verantwortung für meinen Tag.

Bewusst leben

Was uns beide wirklich überforderte, war oft nicht das Tagespensum, sondern unsere Gedanken dazu. War mein Partner tatsächlich verantwortlich für meine Überforderung? War es wirklich unser Job, „die Welt zu retten“? Durften wir Grenzen setzen und einfach mal unser Leben genießen? Wir lernten ganz neu, dass Jesus bereits die Welt gerettet hat, wir also diesen Job ganz bewusst abgeben können. Okay, die Mails hat er noch nicht alle beantwortet, aber auch da lernen wir dazu: Manche Mails beantworten sich von allein!

Wir dürfen leben – bis zum letzten Atemzug: Leben, nicht nur bewusstlos durchs Leben stolpern. Nicht vor lauter „Weltretten" meine Familie vernachlässigen. Nicht meinen Organismus am Laufen halten, während meine Träume sterben.

Wenn ich als Ersthelferin an einem Unfallort bin, dann gehört meine Hilfe zunächst nicht den Personen, die am lautesten schreien, sondern denen, die keinen Mucks mehr von sich geben. Diejenigen, die noch schreien können, haben noch funktionierende Organe, zumindest eine funktionierende Lunge und einen Kehlkopf mit Stimmbändern. Die Personen, die schweigen, sind meist lebensbedrohlich verletzt.

Das wurde mir als Krankenschwester zum Bild: Wenn mich die Überforderung des Lebens zum Schweigen bringt, dann ist das lebensbedrohlich für mich, meine Ehe und Familie. Deshalb hören wir heute hin, wenn uns das Leben zum Schweigen bringen will. Und dann leben wir wieder bewusst – weil wir keine Maschinen sind, sondern Menschen aus Fleisch und Blut.

 
 
 
 
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